Präventionskonzepte

Aktiv für das Kindeswohl im Jugendverband


Die Einsichtnahme in das erweiterte Führungszeugnis von Ehrenamtlichen als Vorsichtsmaßnahme ist die eine Sache. Um im Jugendverband tatsächlich größtmöglichen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch zu gewährleisten, braucht es aber mehr. Prävention ist das Stichwort!

So könnt Ihr als Jugendverband gegen Missbrauch und Übergriffe Position beziehen:

  • Kontinuierliche Information der ehrenamtlichen Jugendleiterinnen und Jugendleiter über relevante Themen wie sexualisierte Gewalt und Kindesmissbrauch (z.B. in Jugendleiterschulungen und Fortbildungen)
  • Erarbeitung eines Handlungsleitfadens für Notfälle und bei Verdachtsfällen (Was ist zu tun? Wen informiere ich? Wie verhalte ich mich richtig?)
  • Schaffung einer vertrauensvollen Atmosphäre und einer offenen Gesprächskultur innerhalb des Jugendverbandes

Super wirds, wenn diese und weitere Punkte in ein so genanntes „Präventionskonzept" gepackt werden. Das bedeutet, dass die verschiedenen Bausteine miteinander verzahnt sind und aufeinander aufbauen (siehe Praxisbeispiel). Wie das konkret aussehen kann, erfährst Du im Folgenden:

Information und Qualifikation der Jugendleiter/innen

Es macht für Menschen, die in der Jugendarbeit tätig sind, durchaus Sinn, mehr über Prävention und Kinderschutz zu wissen: Was ist sexualisierte Gewalt? Wo beginnen Grenzüberschreitungen? Wer sind die Opfer? Wie agieren die Täter? Was kann man bei Mobbingfällen tun?

Das Thema „Prävention sexualisierter Gewalt" ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Juleica-Ausbildung. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Broschüren und Materialien sowie einen Kreis von fachlich geschulten Referentinnen und Referenten, die auch für Schulungen und Vorträge zu Euch kommen. Mehr Infos unter www.praetect.de.

Neben dem grundlegenden Wissen brauchen vor allem größere Jugendverbände und Jugendgruppen, die viel mit jüngeren Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein paar Verantwortliche, die sich intensiver mit dem Thema Prävention beschäftigen: Zu den Aufgaben einer „AG Prävention" gehören beispielsweise die Erstellung von passenden Informationsmaterialien oder Selbstverpflichtungserklärungen für den eigenen Jugendverband. Man muss hier nicht alles selbst neu erfinden, vieles gibt es auch schon in ähnlicher Form; es geht vielmehr darum, mögliche Situationen im Jugendverband durchzudenken, ggf. Verbesserungsmöglichkeiten zu überprüfen, passende Vorgehensweisen festzuhalten und zu überlegen, wie man diese Informationen möglichst gut an die eigenen Jugendleiter/innen weitergibt!

Praxisbeispiel: Selbstverpflichtungs-Erklärung

Eine „Selbstverpflichtung" ist eine persönliche Erklärung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendverband, bestimmte Regeln einzuhalten. Mit der Unterschrift dieses Verhaltenskodex verpflichten sich alle Aktiven, diese Regeln und Grenzen einzuhalten und sich nach bestem Wissen und Gewissen für ihre Umsetzung einzusetzen.

Positive Atmosphäre im Jugendverband

Die Kultur im Verband wird von allen geprägt. Besonders wichtig ist hier: „Was wird vorgelebt?". Wie verhalten sich die Teamer in der Jugendleiterausbildung? Wie nimmt die Leitung ihre Vorbildfunktion wahr? Wird achtsam und auf Augenhöhe miteinander umgegangen?

Wenn den Kindern und Jugendlichen gegenüber ein offenes Gesprächsklima und gegenseitiges Vertrauen signalisiert wird, ist ein wichtiger Schritt bereits getan, um aktiv für das Kindeswohl einzutreten. Der Jugendverband sollte für alle Mitglieder - ob altverdient, neu in der Jugendleitung oder als erstmalige/r Teilnehmer/in - ein Ort der Sicherheit sein!

Der letzte Schritt: Das fertige Präventionskonzept

Hier geht es nicht um seitenweise Papier, sondern um einen Handlungsleitfaden. Man schreibt fest, wie die oben genannten Punkte realisiert werden und wer die Verantwortung für die Umsetzung trägt. Sinnvoll ist es, die Verantwortung klar festzuhalten. Das muss jetzt nicht gleich ein Präventionsbeauftragter sein, aber es hilft, zu wissen, wer für welche Dinge zuständig ist (z.B. Information der Jugendleiter/innen, Planung von Fortbildungsveranstaltungen etc.). Das Konzept sollte dann regelmäßig darauf überprüft werden, ob es noch funktioniert und passt. Am besten macht man eine jährliche Routine daraus und überprüft: Erhalten die neuen Jugendleiter/innen die Infobroschüre zum Thema? Wird der Block „Prävention" in der Jugendleiterschulung auch durchgenommen? Sprechen wir unangemessenes Verhalten an oder ist es nur schwer möglich, Bedenken anzubringen? Haben alle die Selbstverpflichtung diskutiert, akzeptiert und handeln danach?

Gute Beispiele aus anderen Jugendverbänden dafür, wie das alles konkret aussehen und in die Praxis umgesetzt werden kann, haben wir im Punkt „Praxisbeispiele" zusammengestellt.